Die Schwierigkeiten, die aus diesen Unterschieden für die Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Franzosen resultieren, zeigt zum Auftakt eine sogenannte "Comédie dramatique en 4 actes" . Hier wird auf originelle Weise in vier aufeinanderfolgenden Akten beschrieben, welche Missverständnisse in einer geschäftlichen Konferenz zwischen Deutschen und Franzosen entstehen können. Das Beispiel des Herrn Müller Herr Müller, ein Geschäftsmann aus Deutschland, trifft mit seinen französischen Partnern in Paris zusammen, um eine geschäftliche Entscheidung zu fällen. Die Sitzung verläuft für beide Seiten unerfreulich. Die französischen Partner erscheinen unpünktlich. Herr Müller bruskiert sie durch seine offensichtliche Ungeduld während der weitschweifigen Diskussionen. Am Ende erreicht man zur Freude des Deutschen endlich ein gemeinsames Ergebnis. Aber: die französischen Partner stellen es plötzlich wieder in Frage und ändern ihre Ansicht. Eine erneute Enttäuschung für Herrn Müller, der sich am Ziel geglaubt hat. Während der Deutsche die französischen Partner als unzuverlässig und ineffektiv erfährt, erleben sie ihn als unflexibel und desinteressiert an ihren kreativen Ideen. Am Ende gehen die Geschäftspartner mit einem unguten Gefühl auseinander, ohne zu begreifen, was da schief gelaufen ist. Die unterschiedlichen Perspektiven Die unterschiedlichen Perspektiven des Deutschen und der Franzosen zur jeweiligen Situation werden einander gegenüber gestellt. Das größte Problem für den Deutschen, ist die Mißachtung des Zeitplanes. Für ihn ist die Einhaltung des Zeitplanes zentral. Er will in der vorgegebenen Zeit zu einem befriedigenden Ergebnis kommen. Er versteht nicht, warum die Franzosen sich unkompliziert über zeitliche Begrenzungen hinwegsetzen. Für sie nämlich, so enthüllt ihre Perspektive, ist der Zeitplan völlig uninteressant. Sie wollen den Partner kennenlernen und in einer gemeinsamen Diskussion kreative Ideen entwickeln. Auch ist für sie nicht so entscheidend, wenn am Ende der Sitzung noch kein Ergebnis vorliegt. Sie empfinden dies nicht als ineffektiv und haben kein Problem damit, das gefundene Ergebnis nochmals in Frage zu stellen. Fazit des Artikels "Les différences interculturelles" ist schließlich: Die Werte, die Franzosen und Deutsche mit Arbeit verbinden, erweisen sich als grundverschieden. Für die Franzosen stehen bei der Arbeit Begriffe wie Macht, Originalität und Herausforderung im Vordergrund, für die Deutschen das Geld, die Rentabilität und die Sicherheit. Ob man so stark polarisieren kann, bleibt eine Frage. Dass aber in beiden Ländern unterschiedliche Wertvorstellungen und Motivationen in Verbindung mit Arbeit bestehen, ist nicht sicher. Das interkulturelle Dossier der Zeitschrift "Ecoute" gibt aufschlussreiche Einblicke in die Lebensuun Arbeitsmentalität der französischen Nachbarn und in besonderer Weise auch in unsere eigene deutsche. Gerade das Beispiel des Herrn Müller enthüllt auf frappierende Art die starke Zeitbezogenheit der Deutschen. Der Zeitdruck ist tatsächlich ein gewisses Merkmal der deutschen Gesellschaft. Man will Zeit sparen ebenso wie das Geld und dabei bleibt doch so manches andere Wesentliche auf der Strecke. Ein bisschen sind die Franzosen da um ihre Unbekümmertheit in Zeitdingen fast zu beneiden. Das interkulturelle Dossier zum Thema Arbeit schließt ab mit einem Interview mit Jochen Peter Breuer, dem Gründer und Geschäftsführer der JPB Unternehmungsberatung für transkulturelles Beziehungs-Management. Er ist ein Spezialist für die Problematik in der deutsch-französischen Zusammenarbeit und analysiert in detaillierter Weise noch einmal die grundlegenden Ursachen für bestehende Probleme. Auch hier gibt es viel zu entdecken im interkulturellen Vergleich der Länder und viel zu lernen. Zur weiteren Information zum Thema Arbeit nennt die Ecoute drei Links, die hier sicherlich weitergegeben werden dürfen: www.france-allemagne.fr www.jpb.fr www.francoallemand.com
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