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Kommission Sozialpädagogik in der DGfE: Strukturmaximen für BA-/MA-Studiengänge 1 Empfehlungen der Kommission Sozialpädagogik der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft zur Verankerung sozialpädagogischer Curricula in konsekutiven BA-/MA-Studiengängen an Universitäten (Arbeitspapier) Im Übergang zu konsekutiven BA/MA-Studienstrukturen ist an vielen Hochschulstandorten eine Unsicherheit im Hinblick auf die Ausgestaltung und Gewichtung sozialpädagogischer Studienschwerpunkte und -inhalte zu beobachten. Es zeichnet sich die Gefahr einer Zersplitterung und Diffundierung der Sozialpädagogik in Spezialqualifikationen und standortbezogene Einzellösungen ab, die die Anforderungen des Bologna-Prozesses an die Vergleichbarkeit und wechselseitige Anerkennung von Studienabschlüssen konterkariert. Vor dem Hintergrund dieser Entwicklung sowie Anfragen von verschiedenen Seiten mit der Bitte um Unterstützung hat sich der Kommissionsvorstand dazu entschlossen, im Rahmen des Treffens der universitären Sozialpädagogik am 15.10.2004 in Dortmund die Einrichtung einer Arbeitsgruppe anzuregen, die Empfehlungen für Studiengänge mit sozialpädagogischem Profil an Universitäten erarbeiten soll. Mit den „Strukturvorschlägen für konsekutive Studiengänge an Universitäten“ legt die Kommission für Sozialpädagogik das Ergebnis ihrer Bemühungen vor. Unterschieden wird dabei zwischen Studiengängen der Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt Sozialpädagogik und Studiengängen der Sozialpädagogik oder Sozialen Arbeit unterschieden wird (1.).1 Neben Studiengängen mit einem explizit sozialpädagogischen Profil werden sozialpädagogische Studieninhalte in erziehungswissenschaftlichen Hauptfachstudiengängen 1 An der Arbeitgruppe zur Ausformulierung der Strukturmaximen beteiligten sich Claudia Bier-Fleiter, Karin Böllert, Georg Cleppin, Detlev Lindau-Bank, Wolfgang Schröer, Stephan Sting und Uwe Uhlendorff. Kommission Sozialpädagogik in der DGfE: Strukturmaximen für BA-/MA-Studiengänge 2 und in Lehramtsstudiengängen immer wichtiger. Hierbei handelt es sich um keine sozialpädagogischen Abschlüsse oder Schwerpunkte, sondern um eine sozialpädagogische Qualifizierung im Rahmen eines ansonsten nicht sozialpädagogischen Studienprofils. Für einige Hochschulstandorte, an denen kein eigenständiger sozialpädagogischer Studienschwerpunkt etabliert werden kann, bietet die Bereitstellung derartiger sozialpädagogischer Qualifikationen eine Zukunftsperspektive (2). Der Kommissionsvorstand empfiehlt die Strukturvorschläge bei der Entwicklung und Akkreditierung neuer sozialpädagogischer Studiengänge als Orientierungsgrundlage zu nutzen. 1. Strukturvorschläge für konsekutive Studiengänge der Sozialpädagogik an Universitäten Die im Folgenden vorgestellten Strukturvorschläge beziehen sich auf die Herausforderungen der universitären Sozialpädagogik im Zusammenhang mit dem Bologna-Prozess. Ziel ist es, die Vergleichbarkeit der Studienstrukturen und – inhalte an den verschiedenen Hochschulstandorten auch weiterhin zu gewährleisten, den Wechsel zwischen verschiedenen Hochschulstandorten und -typen problemlos zu ermöglichen und im Kontext standortspezifischer Profilbildung den disziplinären Kern der Sozialpädagogik erkennbar werden zu lassen. Die Vorschläge sind nicht als ein Kerncurriculum anzusehen, sondern als Strukturmodell für die entsprechenden Studiengänge. Es wird allerdings empfohlen, für die erziehungswissenschaftlichen Anteile das Kerncurriculum der DGfE bei der Ausgestaltung der Module zu berücksichtigen. Ohne die Beibehaltung eines disziplinären und professionellen Kerns würden zukünftig sozialpädagogische Fachkräfte nicht mehr ausgebildet werden können, deren sozialstaatliche Bedeutung und Notwendigkeit unstrittig ist. Unabdingbar ist hierfür die prinzipielle Durchlässigkeit vom BA-zum MAStudiengang. In dieser Hinsicht gilt es gemeinsam mit potentiellen Anstellungsträgern eine Koalition der sozialen Verantwortung zu initiieren, statt durch kurzsichtige Billigvarianten die Qualität sozialer Dienstleistungen zu gefährden und perspektivisch weitergehende soziale Folgekosten in Kauf zu nehmen. Kommission Sozialpädagogik in der DGfE: Strukturmaximen für BA-/MA-Studiengänge 3 Folgendes sollte bei der Umstrukturierung der Studiengänge berücksichtigt werden: • Auf der Basis der Strukturmodelle sind regionale Lösungen zu finden, die vor Ort praktikabel sind und standortspezifische Schwerpunktbildungen zum Ausdruck bringen. • Bei der Planung konsekutiver Studiengänge sind die erforderlichen Kapazitätsberechnungen auf dem Hintergrund aller drei Studienphasen (BA, MA, Promotion) zu berechnen. Dabei ist zu gewährleisten, dass nicht nur vom BA aus geplant wird, sondern an allen Hochschulstandorten auch ein Masterstudiengang analog zu den Strukturvarianten angeboten wird. Bei Promotionen sind standortübergreifende Kooperationen vorstellbar. • Durch die unterschiedliche Gewichtung in der Ausgestaltung der Module legen die jeweiligen Standorte fest, ob der Master als anwendungs-oder forschungsorientiert strukturiert wird. • Die zu wählenden Neben-oder Minorfächer sind vor Ort auszuhandeln. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Kapazitätsfragen insofern tangiert werden, als die Erziehungswissenschaft für alle Disziplinen, mit denen sie auf dieser Ebene kooperiert, ebenfalls als Neben-bzw. Minorfach zur Verfügung stehen muss. • An einem Mindestumfang von insgesamt 5 Monaten Praktikum im konsekutiven Modell ist festzuhalten. Hingewiesen werden kann in diesem Zusammenhang darauf, dass längere Praktika eventuell Kapazitätsengpässe reduzieren können. Im MA-Studiengang sind auch Forschungspraktika vorgesehen. • Neue Lehr-und Lernmethoden (from teaching to learning) dienen in erster Linie der Verbesserung der Qualität von Lernprozessen und nicht der Überbrückung kapazitärer Engpässe. Die folgenden Strukturvarianten sollten nicht nur für die anstehenden Umstrukturierungen maßgeblich sein, sondern darüber hinaus auch als Entscheidungsgrundlage in Akkreditierungsverfahren fungieren. In dieser Hinsicht wird der Kommissionsvorstand Sozialpädagogik der DGfE aufgefordert, die Strukturvarianten an den Hochschulstandorten und in der Fachöffentlichkeit beKommission Sozialpädagogik in der DGfE: Strukturmaximen für BA-/MA-Studiengänge 4 kanntzumachen und dafür Sorge zu tragen, dass den Gutachterinnen und Gutachtern der Akkreditierungsagenturen die Vorschläge zur Verfügung gestellt werden. 1.1 Strukturvorschlag I: Erziehungswissenschaftliche Hauptfachstudiengänge mit Schwerpunkt Sozialpädagogik an Universitäten im konsekutiven Modell Dieser Strukturvorschlag bezieht sich auf konsekutive Hauptfachstudiengänge der Erziehungswissenschaft mit einem Schwerpunkt Sozialpädagogik an Universitäten. Der folgende Strukturvorschlag bezieht sich auf die Majorvariante (Hauptfach) in Major-/Minor-(Hauptfach-/Nebenfach-)Studiengängen. • Der Studiengang gliedert sich in der BA-Phase in drei Elemente: Erziehungswissenschaft, berufsbezogene Kompetenzen und einem Profilbereich Sozialpädagogik/Soziale Arbeit (weitere nicht-sozialpädagogische Profilbereiche sind möglich). Profilbereich: Sozialpädagogik/Soziale Arbeit Berufsbezogene Kompetenzen (exemplarisch) Erziehungswissenschaft Beraten Planen Diagnose Einführung Theorie/Geschichte Soziale Dienste Profession Standortbezogene Spezialisierung Praktikum (2 Monate) Abb.1: Sozialpädagogik als Hauptfach – Modulfelder BA Kommission Sozialpädagogik in der DGfE: Strukturmaximen für BA-/MA-Studiengänge 5 • Das Praktikum im BA innerhalb des Profilbereiches dient der Vertiefung einer der berufsbezogenen Kompetenzen. • Im Bereich berufsbezogen Kompetenzen sind exemplarisch folgende Kompetenzen denkbar: Diagnose, Planen, Vermitteln, Beraten und Datenbeschaffung/-analyse. Der Bereich berufsbezogene Kompetenzen wird neben der Sozialpädagogik von weiteren Disziplinen verantwortet. • Im Profilbereich Sozialpädagogik/Soziale Arbeit sind folgende Themenbereiche wichtig: Themenbereich 1 – Theorie, Empirie und Geschichte der Sozialen Arbeit, Themenbereich 2 – Soziale Dienste, Themenbereich 3 – Handlungskonzepte und Professionalität in der Sozialen Arbeit und Themenbereich 4 – standortbezogene Spezialisierung. • Der Studiengang gliedert sich in der MA-Phase in zwei Elemente: Erziehungswissenschaft und einem Schwerpunkt Sozialpädagogik/Soziale Arbeit, der sich wiederum aus den drei Themenbereichen Theorien, disziplinorientierte und anwendungsbezogene Forschung zusammensetzt. MA in Educational Science (mit Schwerpunkt Sozialpädagogik) Erziehu ng sw issensch aft Schw erpun kt Praktikum (min d. 3 Mon ate; mög l. 6 Mon ate) Th eor ien Disz ip linorientie rte Fors chun g Anw endu ng sbezo gen e Fo rsch un g Abb.1: Sozialpädagogik als Hauptfach – Modulfelder MA 1.2 Strukturvorschlag II: Sozialpädagogische Hauptfachstudiengänge an Universitäten im konsekutiven Modell Dieser Strukturvorschlag bezieht sich auf konsekutive Hauptfachstudiengänge der Sozialpädagogik oder Sozialen Arbeit an Universitäten. Der Vorschlag gliedert sich in jeweils drei Kompetenzbereiche: Übergreifende sozialpädagogische Kommission Sozialpädagogik in der DGfE: Strukturmaximen für BA-/MA-Studiengänge 6 Inhalte, standortspezifisches Profile, Grundlagen in Erziehungswissenschaft und Nebenfächern. Während der BA fachliche Grundlagen und Kompetenzen beinhaltet, liegt der Schwerpunkt des MA auf fachspezifischen Profilbildungen und Vertiefungen. • In der BA-Phase sind im Bereich Theorien und Handlungskompetenzen folgende Themenbereiche wesentlich: Themenbereich 1 – Theorien, Geschichte, Recht und Institutionen der SA/SP, Themenbereich 2 – Soziale Probleme und sozialpädagogische Handlungskonzepte und Themenbereich 3 – Forschungsmethoden. • Auch der Profilbereich gliedert sich in drei Themenbereiche: Themenbereich 1 – Theoretische Grundlagen des fachlichen Profils, Themenbereich 2 – Soziale Dienste und Themenbereich 3 – Methodische Kompetenzen. Abb.1: Sozialpädagogik als Schwerpunkt – Modulfelder BA • In der MA-Phase sind diese Bereiche jeweils zu vertiefen. Hier sind im Profil des Studiengangs drei Themenbereiche wesentlich: Themenbereich 1 – Handlungstheorien im Profilbereich, Themenbereich 2 – Soziale Dienste & Sozialpolitik und Themenbereich 3 – Sozial-und Personalmanagement. Kommission Sozialpädagogik in der DGfE: Strukturmaximen für BA-/MA-Studiengänge 7 Abb.1: Sozialpädagogik als Schwerpunkt – Modulfelder MA • Im Bereich Theorien-und Forschungskompetenz sind folgende Themenbereich wichtig: Themenbereich 1 – Theoretische, institutionelle und rechtliche Zugänge zur SP/SA, Themenbereich 2 – Forschungsmethoden, Themenbereich 3 – angewandte Forschung. Im Rahmen der standortspezifischen Profilbildung muss eine Entscheidung getroffen werden, ob ein anwendungs-oder ein forschungsbezogener MA angeboten wird, da eine Doppelausrichtung in der Regel aus kapazitären Gründen nicht möglich ist. 2. Empfehlung zur Etablierung einer sozialpädagogischen Qualifizierung im Rahmen von erziehungswissenschaftlichen Hauptfachstudiengängen und Lehramtsstudiengängen Da sozialpädagogische Themen und Problemstellungen auch außerhalb explizit sozialpädagogischer Handlungsfelder zunehmend an Bedeutung gewinnen (z.B. in der Schule, in Einrichtungen des Gesundheitswesens, in Betrieben), empfiehlt der Kommissionsvorstand über explizit sozialpädagogische Studiengänge hinaus eine sozialpädagogische Qualifizierung für ansonsten nicht sozialpädagogisch ausgerichtete Qualifikationsprofile anzubieten. Innerhalb der Erziehungswissenschaft handelt es sich dabei um erziehungswissenschaftliche Kommission Sozialpädagogik in der DGfE: Strukturmaximen für BA-/MA-Studiengänge 8 Hauptfachstudiengänge und um Lehramtsstudiengänge. Zu beachten ist, dass es sich hierbei nicht um eine Qualifikation für sozialpädagogische Handlungsund Forschungsfelder handelt. Beispielsweise kann die sozialpädagogische Qualifizierung im Rahmen eines Lehramtsstudiums ein fundiertes sozialpädagogisches Schwerpunktstudium nicht ersetzen. Für Standorte, an denen sich aus Kapazitätsgründen kein eigenständiges sozialpädagogisches Studienprofil etablieren lässt, bietet die Bereitstellung sozialpädagogischer Qualifikationen im Rahmen von anderen Studiengängen eine Zukunftsperspektive. Sozialpädagogik kann dort in Form von Wahlpflichtmodulen verankert werden, die die Themenbereiche Theorien und Geschichte der Sozialpädagogik, Methoden und Konzepte sozialpädagogischen Handelns, Handlungs-und Arbeitsfelder und AdressatInnen der Sozialpädagogik umfassen.

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